Unsere Verbandsverbindungen

Unter den heutigen Verbindungen die dem Miltenberger Ring angehören befinden sich noch fünf Gründungsmitglieder aus dem Jahr 1919. Alle Verbindungen halten die sechs Prinzipien des Verbandes ein. Lediglich beim „Schlagen“ gibt es Unterschiede. So sind die Verbindungen Lunaburgia, Leonensia und Karlsruhensia bis heute „frei schlagend“, während die anderen sich als „nicht schlagend“ bezeichnen. Mitglied im Verband kann jede Verbindung werden, deren Satzung der des Miltenberger Rings nicht widerspricht und die sich zu dieser Satzung, insbesondere den Bestrebungen des Miltenberger Rings, bekennt.

 

V! LUNABURGIA

Die älteste Verbindung im Verband, die V! Lunaburgia wurde am 10. November 1859 von sieben Göttinger Studenten und ehemaligen Schülern des Lüneburger Johanneums gegründet. Die Feiern zum 100. Geburtstag von Friedrich Schiller an diesem Tage gaben den Anstoß zur Bildung der Verbindung, die in ihren Anfängen durch den Zusammenschluss von Studenten vor allem aus Lüneburg und Niedersachsen geprägt war. Der Wahlspruch „Doctrinae, Virtuti, Humanitati!“ der Verbindung war eine Übernahme der Widmung des Lüneburger Johanneums. Auch die Farben des Verbindungswappens blau-rot-weiß entsprechen denen der Stadt Lüneburg. Die Lunaburgia betrachtete sich aber von Anbeginn an als „schwarze“, d.h. nicht-farbentragende Verbindung.

In ihrer wechselhaften Geschichte sind zahlreiche Höhepunkt und Tiefphasen zu finden. Während der Kaiserzeit erlebte die Verbindung eine besondere Blütezeit mit starkem Wachstum und ausgeprägter gesellschaftlicher Anerkennung. In dieser Zeit wurde auch der Bau des eigenen Verbindungshauses am Goldgraben 17 abgeschlossen. Einen weiteren Aufstieg erzielte die Lunaburgia durch die Beteiligung an der Gründung des Miltenberger Rings. Einen Tiefpunkt musste sie bewältigen, als 1936 ihre Aktivitas suspendiert und 1937 ihr Verbindungshaus verkauft wurde. Lunaburgia überlebte den 2. Weltkrieg, da sie mit der V! Saxonia Tübingen die Kameradschaft Skagerrak gründete. So konnte die Verbindung schließlich im November 1950 den alten Namen wieder annehmen und in ihre Heimat zurückkehren. Ab 1959 wurde sogar wieder ein Haus bezogen, das aber in den Jahren nach den Studentenunruhen wiederum verkauft wurde. Die Bemühung um eine Weiterführung der Lunaburgia hatte Erfolg, als drei bis zu ihrem ehrenhaften Austritt in einer forststudentischen Verbindung korporierte Studenten sich zum Wiederaufbau der Verbindung meldeten. In einer Studentenwohnung im Stadtzentrum erlebte Lunaburgia einen neuen Aufschwung, der 1991 mit dem Erwerb und Umbau des jetzigen Verbindungshauses wieder einen Höhepunkt erreichte.

 

„Doctrinae, Virtuti, Humanitati!“

Wahlspruch der V! Lunaburgia

AV! RHENO-COLONIA

Die „Akademische Verbindung Rheno-Colonia“ wurde am 1. Februar 1871 als „Akademischer Juristen-Verein zu Bonn“ in der Kneipe Wittib Ruland in Bonn gegründet. Die Farben der Verbindung gehen auf einen Beschluss der allgemeinen Studentenverbindung aus dem Sommersemester 1871 zurück, wonach jede Verbindung die Farben ihrer Fakultät zu tragen habe, bei der juristischen Fakultät eben: Gold-Rot-Gold. Im Jahre 1880 wurde das erste eigene Heim auf der Wachsbleiche in Bonn bezogen. Das Haus wurde in den darauf folgenden Jahren stetig ausgebaut, vor allem um den größer werdenden Platzbedarf der sich ständig vergrößernden Verbindung nachzukommen. Am Ende des Jahres 1929 wurde der Name in „Akademische Verbindung 1871 (vormals Akademischer Juristenverein)“ geändert. Dies geschah aufgrund der Tatsache, dass sich Studierende anderer Fakultäten schwer taten sich der Verbindung anzuschließen, da sie dachten, dass es sich um einen „Fachverein“ handeln würde und andere Fakultäten nicht erwünscht seien.

Nach langjährigen Bemühungen und Versuchen Anschluss an einen geeigneten Dachverband zu erhalten trat man schließlich im Jahr 1930 in den Miltenberger Ring ein. Der Verband umfasste einschließlich der „Akademischen Verbindung 1871 (vormals Akademischer Juristenverein)“ zu dieser Zeit acht Verbindungen. Unter den Nationalsozialisten musste der Bund den Begriff Corps in seinen Namen führen. Das Verbindungsleben wurde immer schwieriger zu bewältigen und ab 1938 wurden die Verbindung in die Kameradschaft Gneisenau umgewandelt.

Am 1. Dezember 1944 wurde das Haus an der Wachsbleiche bei einem schweren Fliegerangriff vollständig zerstört. Im Jahr 1950 gab es erstmal eine neue Aktivitas, deren Mitglieder bis zum Ende des Jahrhunderts maßgeblich an der Entwicklung der Verbindung beteiligt waren. Im selben Jahr erfolgt auch die dritte Namensänderung auf den heute gültigen Namen: „A.V. Rheno-Colonia im MR (ehem. Akademischer Juristenverein 1871)“. 1955 wurde schweren Herzens der Sitz nach Köln verlegt, da das Haus zerstört war und der Großteil der AHAH in Köln wohnte. Nach dem Bezug einer Wohnung in der Zeppelinstraße 11 konnte Ende der 60er Jahre endlich ein neues Verbindungshaus in Köln Müngersdorf bezogen werden.

 

„Fiat, Justitia, Pereat Mundus!“

Wahlspruch der AV! Rheno-Colonia

V! LEONENSIA

Die Verbindung Leonensia wurde am 26.06.1871 in Heidelberg von Mecklenburger Studenten gegründet. Daher beziehen sich ihre Farben auf diese Heimat: Blau-Gold-Rot. Der Name leitet sich von ihrem Stammlokal „Zum goldenen Löwen“ ab, in dem die Korporation bis zum Hausbau 1893 ihr Stammlokal innehatte. Leonensia sah sich in ihrer Anfangszeit vielen Anfeindungen und Abwerbungsversuchaen anderer Heidelberger Verbindungen gegenüber. Dennoch trotze sie als älteste schwarze Verbindung in Heidelberg dem Widerstand (Wahlspruch: Furchtlos und treu). Dadurch gefestigt konnte sie die Zeiten überdauern. Zwar verlor sie im 1. und 2. Weltkrieg neunzig Bundesbrüder konnte aber auch viel Konstruktives, wie z.B. die Gründung des MR, mitleisten. Nach dem Krieg erholte sich Leonensia sehr schnell und besteht heute als große schwarze Verbindung mit eigenem Verbindungshaus.

„Furchtlos und Treu“

Wahlspruch der V! Leonensia

V! KARLSRUHENSIA

Die Verbindung Karlsruhensia wurde am 10.05.1878 von fünf Freunden aus Darmstadt als „Gesellschaft Studierender Moguntia“ gegründet. Diese waren aus der V! Leonensia ausgetreten, weil diese die „unbedingte Satisfaktion“ eingeführt hatte. Die meisten neuen Mitglieder stammten aus Karlsruhe, daher wurde die Korporation im WS 78/79 nach dieser Stadt benannt. Im Stammlokal, der „Weiße Bock“, entwickelten die Studenten einen eigenen Zirkel, ein Wappen und führten die Farben von Karlsruhe ein (Rot-Gold-Rot). Als sie 1893 den Status einer schwarzen Verbindung und den Wahlspruch „amicita et virtus“ annahmen war dies der letzte Schritt zu einer studentischen Verbindung. Schon 1888 hatte die Karlsruhensia die „unbedingte „Satisfaktion“ eingeführt und beteiligte sich 1914 erst an der Gründung des „Heidelberger Waffenrings“ und schloss sich dann 1919 mit Leonensia und Rupertia zum „Verband schwarzer schlagender Verbindungen“ zusammen. Diese drei waren auch maßgeblich an der Gründung des MR beteiligt. 1920 erwarb die Karlsruhensia das ehemalige Weinlokal „Haus Leopoldshöhe“ und baute es in ein Verbindungshaus um.

Ähnlich wie den anderen Verbindungen erging es auch der Karlsruhensia zur Zeit des dritten Reichs schlecht. So wurde die Korporation erst in Corps umbenannt und später suspendiert. Allerdings überlebt auch sie, in der „Kameradschaft Richard Flisges“. Nach dem 2. Weltkrieg entstand aus dieser Kameradschaft 1950 die heutige Verbindung Karlsruhensia. Ihr Haus erhielten sie 1952 zurück und beteiligten sich zuvor (1951) an der Wiedergründung des MR. Zwar trat die Karlruhensia 1977, wegen entscheidender Satzungsfragen aus dem MWR aus, um 1995 mit sechs alten MR-Verbindungen den Miltenberger Ring neu zu gründen.

„Amicitia et virtus!“

Wahlspruch der V! Karlsruhensia

AV! KÖNIGSTEIN-WRATISLAVIA

Am 03.11.1880 wurde die AV! Wratislavia in Breslau gegründet. Als Farben wurden Hellgrün-Weiß-Rosa, als Wahlspruch „Patria, Amicita, Litterae“ und als Wappenspruch „Per aspera ad astra“ gewählt. Erst 1921 trat die Verbindung freundschaftlich an mehrere auswärtige schwarze Verbindungen heran. Daraus entstand der Schwarze Ring (SR), den die Korporation aber 1929 aus Meinungsverschiedenheiten wieder verließ. Im gleichen Jahr schlossen sich die Mitglieder dem MR an. Eine besondere Bedeutung hatte aus den Gründerzeiten her der Gedanke der Litterae. So war jedes Mitglied verpflichtet einen Vortrag zu halten. Ab 1929 besaß AV! Wratislavia ein Bootshaus an der Oder und das „Clausewitz-Haus“ in dem Vorträge und andere Feierlichkeiten gehalten wurden. Durch den 2. Weltkrieg starben viele Bundesbrüder, das Haus wurde zerstört und als Breslau verloren ging schien das Ende gekommen. Doch der damalige AH-Vorsitzende konnte viele Mitglieder durch ein Rundschreiben erreichen, sodass die Verbindung wieder eine Altherrenschaft erhielt und auch den MR mit begründete.

Die Suche nach einer Aktivitas hatte 1950 Erfolg und so fusionierte Wratislavia mit der Verbindung Königstein (Berlin). Hochschulort wurde nun Frankfurt, da die Studenten an die Johann-Goethe Universität wechselten. Die neue Korporation mietete eine Räumlichkeit in der Corneliusstraße 26 an und das Verbindungsleben erblühte erneut. Doch leider zerstörten die Nachwirkungen der 60er Jahre die Nachwuchssuche und so wurde die Aktivitas 1974 suspendiert. Seitdem existiert nur noch die Altherrenschaft. Allerdings erhält sie durchaus Zulauf von anderen MR-Verbindungen um sie so am Leben zu halten. Dies ist mit der Hoffnung verknüpft, dass es irgendwann wieder eine Aktivitas geben wird.

„Patria, Amicita, Litterae“

Wahlspruch der AV! Königstein-Wratislavia

AV! ALBINGIA-SCHWARZWALD-ZARINGIA

Die südlichste Verbandsverbindung des MR entstand aus einer Fusion von mehreren Verbindungen im bzw. nach dem 2. Weltkrieg. Die älteste der fusionierten Verbindungen war die am 9. Juni von neun Freiburger Studenten gegründete Akademische Gesangsverbindung Zaringia. Die Korporation trug keine Farben, schlug keine Bestimmungsmensur und stand auf dem Boden der Satisfaktion. Außerdem war sie bis 1914 Mitglied im „Sonderhäuser Verband“ (SV). Im Jahr 1903 bezogen die Bundesbrüder ihr Verbindungshaus in der Sautierstraße. Nachdem die Aktivitas im 1. Weltkrieg suspendiert wurde konnte das Verbindungsleben durch die Initiative einiger AH belebt werden; ebenfalls wurde der„Schwarze Ring“ (SR) gegründet, der sich 1934 mit dem „Wernigeroder Verband“ (WV) zum „Wernigeroder Schwarzen Ring“ (WSR) vereinigte. Während der Zeit der Nationalsozialisten wurde das Haus der Zähringer verkauft (1938) und die Altherrenschaft aufgelöst (1939).

Die zweite Verbindung, die Albingia, wurde am 26.05.1884 im Restaurant „Allgeier“ von sechs Freiburger Studenten gegründet, die alle aus Norddeutschland (Albis=Elbe) stammten. Der Gründungsname „Norddeutscher Allgemeiner Verein“ wurde bereits im Wintersemester 84/85 durch den Namen „Albingia“ ersetzt. Es folgte Aufnahme der Prinzipien einer schwarzen Verbindung (1885), der „unbedingten „Satisfaktion“ für den Einzelnen (1886) und später für die Verbindung als solche (1888).  Die 1890 gegründete „Vereinigung Alter Herren“ ermöglichte den Kauf eines Grundstückes (1905) und den Bau eines eigenen Heimes (1907). Nachdem sie vor dem 1. Weltkrieg erfolglos versucht hatte sich einem Verband anzuschließen ergriff die „Albingia“ 1919 die Initiative und gründete den MR mit. Zur Zeit des dritten Reiches wurde das Führerprinzip eingeführt und der Name in Corps geändert (beides 1933).

Die 1898 von acht Abiturienten gegründete Akademische Stammtischgesellschaft Schwarzwald war die dritte Verbindung. Die Mitglieder führten das Wanderprinzip an fast jedem Sonntag aus und daher war es auch nicht erstaunlich, dass sie ab 1911 eine eigene Hütte im Schwarzwald besaßen und erst ab 1928 ein Stockwerk in der Katharinenstraße als eigenes Heim anmieteten. Durch den Druck und den neuen Bestimmungen ab 1933 fusionierte sie 1934 mit der Albingia und trat gleichzeitig dem MR bei.

Eine aus Freiburger Studenten gegründete Gruppe namens „Kameradschaft Kärnten“  trat 1937 an die Altherrenschaften von „Albingia-Schwarzwald“; „Zaringia“ und der „Bremer Gesellschaft“ heran und überredete diese gemeinsam die „NS-Altherrenschaft Kärnten“ zu gründen. Das alte Zähringerhaus wurde als Verbindungshaus gemietet; als Hütten standen die „Schwarzwälder Hütte“ und die „Zähringer Hütte“ zur Verfügung. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde die Verbindung als „NS-Organisation“ verboten und ihr Vermögen beschlagnahmt. In den folgenden Jahren konnte das Vermögen wieder in Besitz genommen werden, nachdem sich die Korporation 1949 neu gegründet hatte. Der Beitritt zum MR erfolgte 1953 als Akademische Verbindung Albingia-Schwarzwald-Zaringia.

 

„Audiatur et altera pars“

Wahlspruch der AV! Albingia-Schwarzwald-Zaringia